„Gemeinschaftsschulen großes Wagnis“

FAZ-Artikel sieht Schulexperiment im Land „auf tönernen Füßen“

Auch das war mal eine Gemeinschaftsschule, heute im Freilichtmuseum.

(tutut). Es muss nicht immer die Opposition sein, die heftige Kritik an dem Schulexperiment der grün-roten Regierung mit ihrer Gemeinschaftsschule übt. Inzwischen muss die Kritik auch noch auf allerlei Mitläufer dieser Regierung ausgeweitet werden. Vom schwarzen Bürgermeister mit zum Handwerkspräsident wird am Fundament der baden-württembergischen Spitzenstellung in der Bildung gerüttelt. Offenbar halten viele für notwendigen Zeitgeist, Bewährtes nicht zu verbessern, sondern schlicht abzuschaffen. Dass Baden-Württemberg „mit den Gemeinschaftsschulen ein großes Wagnis“ eingeht, stellt jetzt auch eine Redakteurin der FAZ fest. „Auf tönernen Füßen“ , so der Titel, sieht Heike Schmoll das grün-rote Schulexperiment. Immerhin hat ja schon eine Kultusministerin gehen müssen. Ob ein Jurist mit Kindern in der Walddorfschule und eine grüne bildungspolitische Sprecherin von der Sparkassenversicherung die richtigen Fachleute für Bildungspolitik im Land sind, welche das Schulexperiment stets vehement nicht nur im Landtag wie allein seligmachend verteidigen, darf bezweifelt werden.

Heike Schmoll weist in ihrem FAZ-Artikel, auf den auch der „Arbeitskreis Schule und Bildung „aufmerksam macht, richtigerweise auf zwei Fakten hin, die nicht übersehen werden können: Schrumpfende Schülerzahlen, in den nächsten zehn Jahren sollen es rund 11 000 Zehnjährge weniger sein, und die abgeschaffte verbindliche Grundschulempfehlung. Ergebnis: „Im Schuljahr 2013/14 wechselten nur noch 12,1 Prozent der Viertklässler auf Haupt- und Werkrealschulen. Zugleich nahm die Anzahl der Sitzenbleiber in Realschulen und Gymnasien erheblich zu, weil sich viele Schüler mit einer Hauptschulempfehlung viel zugetraut hatten oder sich vom elterlichen Ehrgeiz leiten ließen“. Damit spricht die Autorin etwas an, was so eingetreten ist, wie es von Berlin her bereits bekannt wurde, was aber diese Regierung einfach ignoriert hat. Selbst die Grünen in Berlin haben wieder nach der abgeschafften Grundschulempfehlung gerufen, nachdem Tausende von Schülern die Gymnasien mangels Leistung verlassen mussten.

Wer heute nach dem Zwei-Säulen-Modell von Grün-Rot ruft, das aus Gemeinschaftsschule und Gymnasium besteht, übersieht wie selbst der Handwerkspräsident, dass damit der weltweit gelobten dualen Ausbidung das Grab geschaufelt wird. Denn Grün-Rot strebt eine stärkere Akademisierung an und macht damit den gleichen Fehler wie vor allem die Südeuropäer, aber auch Frankreich, welche mit einem solchen System akademische Arbeitslose schaffen. Währendessen haben aber weltweite Bildungsbeobachter angefangen umzulernen und Abschlüsse nach der dualen Ausbildung akademischen gleichgesetzt.

Die Landesregierung wirbt für ihre Gemeinschaftsschule mit Geld und Peitsche. Wundert es da, wenn Bürgermeister ohne Rücksicht auf Bildungsverluste für ihre jungen Menschen und in Zukunft zu erwartende wirtschaftliche Einbußen kurzsichtig nach Gemeinschaftsschulen rufen? Gibt’s da nicht rund doppelt soviel Geld pro Schüler wie für Realschüler?

Zurück zum FAZ-Artikel: „Von den 129 genehmigten Gemeinschaftsschulen in diesem Schuljahr kamen nur fünf unter Beteiligung einer Realschule zustande, für das kommende Jahr liegen 108 Anträge für Gemeinschaftsschulen vor, darunter sind 15 Realschulen. Das Kultusministerium wertet die höhere Realschulbeteiligung als Triumph, die Realschulen unter den Antragstellern können wohl ziemlich sicher auf Erfolg
hoffen“.  Die Erwartungen, so heißt es weiter, an die integrative Schule erinnerten an Heilsversprechen der Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen. Die Gemeinschaftsschulen sollten laut Kultusminister Stoch den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Leistung entkoppeln, die Chancengerechtigkeit verbessern und beste Bildungschancen für alle schaffen und schließlich auch noch dafür sorgen, dass Baden-Württemberg bei nationalen und internationalen Leistungsstudien wieder in der Spitzengruppe mithalten könne.

Warum aber ist Baden-Württemberg dort abgerutscht, wie der Ländervergleich des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) gezeigt habe? Könnte dies nicht an zweieinhalb Jahren grün-rotem Schulversuch liegen, wenn „etwa
50 Prozent der nichtgymnasialen Schülerschaft im Schuljahr 2012 nicht den Regelstandard erreicht, der für den mittleren Schulabschluss bundesweit vorgegeben ist“?(FAZ). Angesichts des sich weiter verschärfenden Mangels an qualifizierten Bewerbern um Ausbildungsplätze sei es für die Qualität des Standorts Deutschlands unerlässlich, die Leistungen vor allem der schwächsten Schüler zu verbessern, wird der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm zitiert, welcher davor warne, die Gemeinschaftsschulen auf dem Fundament von Haupt- und Werkrealschulen zu gründen, weil diese die Schüler mit Lernschwierigkeiten konzentrierten. Einzügige oder in der Zweizügigkeit durch den Schülerschwund gefährdete Haupt-/Werkreal-/Realschulen böten nicht die Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Bildung.

Woran das neue Schulsystem besonders krankt, darauf weist der Artikel ebenfalls hin: Es fehlen schlicht solide und fachwissenschaftlich ausgebildete Lehrer, weshalb es zu fachfremdem Unterricht komme. Im vergangenen Jahr seien in Baden-Württemberg 24 Prozent des Biologieunterrichts, 22 Prozents des Chemieunterrichts und 29 Prozent des Physikunterrichts außerhalb des Gymnasiums fachfremd erteilt worden. Es sieht also im Land so aus, dass für das grün-rote Konzept weder Schüler noch Lehrer passen.

Gegenwärtig hätten nur 28 Prozent der Schüler an Gemeinschaftsschulen eine Empfehlung für eine Realschule und nur 12 Prozent eine für das Gymnasium,außerdem würden die beruflichen Gymnasien als Erfolgsmodell im Anschluss an die Realschulen geschwächt, heißt es in der FAZ.

Es scheint, es ist an der Zeit, dass Eltern, Kommunen, Kreise im Land aufwachen und einer bildungspolitischen Sturzgeburt dieser Regierung nicht weiter blind folgen. Billignoten und Billigabitur taugen nur für Statistik, aber nicht für junge Menschen und für die Zukunft des Landes. Nur wer den Abstieg des Landes will im Wahn ideologischer sozialistischer Gleichmacherei macht so weiter wie diese Regierung und folgt ihrem Ruf des Geldes. Wenn die FAZ von einem Wagnis und einem Experiment auf tönernen Füßen schreibt, drückt sie sich noch sehr zurückhaltend aus. Das Ergebnis dieses baden-württembergischen Schulexperiments kann doch schon betrachtet werden: in anderen Bundesländern. Mehr als ein „Mangelhaft“ ist dabei nicht herausgekommen.

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